Rathenow: Wie Rechtsradikale versuchen ein Vereinsverbot zu umgehen

-Alte Freunde, neues T-Shirt-
Unklar ist, welche Rolle der vor einigen Monaten in Rathenow neu gegründete Stadtverband der rechtsextremen NPD spielt, der von Marcel Horlebeck geleitet wird. Horlebeck galt als Mitglied von "Sturm 27". Als Auffangbecken für Ex-Kameradschaftler hat sich die NPD bisher allerdings nicht etabliert. Nach Informationen der MAZ sind zwei Neonazis, die den verbotenen Vereinen früher angehörten, der NPD beigetreten. ...

Insbesondere treffen sich Ex-Mitglieder von "Hauptvolk" und "Sturm 27" nach wie vor beim Kampfsporttraining sowie im Hobbyfußballverein "Sportvolk", wie Frauke Postel vom Mobilen Beratungsteam (MBT) bestätigt. In der kommenden Winterspielsaison wird die mutmaßliche Fußballabteilung der verbotenen Kameradschaft "Hauptvolk" erneut in der zweiten Stadtliga von Rathenow kicken. Eine gesellschaftliche Ächtung ist insofern nicht erkennbar.

"Man kann den Leuten nicht verbieten, sich privat zu treffen", umreißt der Sprecher des Innenministeriums, Wolfgang Brandt, die Grenzen staatlicher Repression. Das Problem für die Strafverfolger besteht offenkundig darin, dass die Ex-Vereinsmitglieder nach wie vor enge soziale Kontakte pflegen. "Die Personen sind befreundet, besuchen dieselben Stammkneipen, dieselben Vereine und bringen ihre Kinder in dieselbe Schule", erläutert Frauke Postel.

Die Personen, sagt Brandt, würden allerdings "sehr aufmerksam beobachtet", auf neue Vereinsbildungen werde rigide reagiert. Die Vorwürfe einer "antifaschistischen Recherchegruppe", die Polizei setze die Vereinsverbote im Havelland nicht konsequent durch, wies Brandt zurück.

Trotz aller Schwierigkeiten, rechtsextreme Strukturen nachhaltig zu zerschlagen, lobt MBT-Mitarbeiterin Postel das Kameradschaftsverbot. Das Problembewusstsein sei dadurch sensibilisiert worden. Rechtsextremistische Erscheinungen in Rathenow seien vor dem Verbot vielfach nur als eine Komponente und Folge der Auseinandersetzung zwischen links- und rechtsextremen Jugendlichen betrachtet worden. Dagegen herrsche heute bei vielen Verantwortlichen in der Stadt die Einschätzung vor, dass sich rechtsextreme Strukturen nur entwickeln und stabilisieren konnten, weil man in der Kommune gegenüber dem Rechtsextremismus lange Zeit "zu nachsichtig" war.

Quelle: www.maerkischeallgemeine.de, Meldung vom 24.10.2005