LG Mannheim: Prozess gegen Holocaust-Leugner Zündel geplatzt

Der Prozess gegen den Rechtsextremisten und Holocaust-Leugner Ernst Zündel muss neu aufgerollt werden. Das Verfahren wird ausgesetzt, bis ein neuer Pflichtverteidiger für den 66-jährigen Angeklagten gefunden ist, teilte Richter Ulrich Meinerzhagen mit. ...

Zuvor wurde ein Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter abgelehnt, den die Verteidigung von Zündel gestellt hatte. Nächste Aufgabe des Gerichtes ist es, einen neuen Pflichtverteidiger zu finden. Der Anwalt müsse sich neu einarbeiten und dies sei im laufenden Prozess nicht möglich, sagte Meinerzhagen.

Der Richter hatte zum Prozessauftakt in der vergangenen Woche die bisherige Pflichtverteidigerin Sylvia Stolz abgelehnt, da sie selbst strafbare Inhalte in ihren Verteidigungsreden präsentiert hatte. Sie verlas Schriftstücke des rechtsradikalen Anwalts Horst Mahler, der Berufsverbot hat und in Mannheim von der Anwaltsbank verwiesen wurde.

Anhänger feiern Zündel im Gerichtssaal
Zu Beginn des heutigen Prozesstages war der Angeklagte Ernst Zündel wieder von seinen Anhängern gefeiert worden. Über 100 Besucher befanden sich in dem Gerichtssaal, etwa 40 bis 50 von ihnen unterstützten den Angeklagten durch Beifall. Dem 66-Jährigen wird vorgeworfen, im Internet und in anderen Publikationen den Völkermord der Nationalsozialisten an den Juden systematisch geleugnet und verharmlost zu haben.

Der Haftbefehl gegen Zündel bleibt nach dem Beschluss des Gerichts in Vollzug und der 66-Jährige damit in Untersuchungshaft. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Prozess bis zum Januar vertagt wird.

Ernst Zündel war 1958 nach Kanada ausgewandert. Er wurde im Frühjahr nach Deutschland abgeschoben, nachdem ein kanadisches Gericht seine Internet-Homepage für verfassungswidrig erklärt hatte.

Quelle: SWR Nachrichten Baden-Württemberg Stuttgart